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Der Museumsrundgang beginnt mit Informationen zur Waldmünchner Stadtgeschichte. Per Fingerdruck auf den Computerbildschirm können die gewünschten Daten abgerufen werden. Eine Ausstellungseinheit ist der "Feuersteinstraße" zwischen Bayern und Böhmen, dem ältesten Handelsweg Europas gewidmet. Waldmünchen lag an dieser Verbindungsstrecke zwischen Arnhofen und Prag, auf der schon die Menschen der Steinzeit Handelsbeziehungen aufbauten. Als wichtigster Rohstoff für Werkzeuge und Waffen wurde der in Arnhofener Bergwerken abgebaute Feuerstein gegen andere lebensnotwendige Gegenstände eingetauscht.
Der nächste Raum befasst sich mit hausindustriellen Tätigkeiten wie dem Spitzenklöppeln oder Holzarbeiten, mit denen sich viele Bewohner des Grenzgebiets einen Nebenverdienst sicherten. Dasselbe gilt für das Sammeln von Beeren und Waldfrüchten, das mit der Waldarbeit in der folgenden Ausstellungseinheit vorgestellt wird.
Eine neue Einnahmequelle ergab sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit der neu entdeckten Lust am Reisen. In dieser Museumsabteilung wird der frühe Fremdenverkehrsort Waldmünchen mit dem böhmischen Berg Cerkov als Naherholungsziel vorgestellt.
Die ungünstige Erwerbslage im ostbayerischen Grenzgebirge war der Hauptgrund, warum viele Familien der Heimat den Rücken kehrten. Auswanderungswellen gab es vor allem im 19. Jahrhundert. Allein aus dem Altlandkreis Waldmünchen wanderten zwischen 1780 und 1950 etwa 1300 Personen aus, die meisten nach Amerika. Im Museum überquert der Besucher auf einem blauen Bodenbelag symbolisch den Atlantik, die historische New Yorker Skyline mit der Freiheitsstatue in Sichtweite, und wird dann mit dem Schicksal eines 1883 ausgewanderten Waldmünchner Bäckermeistersohns konfrontiert.
Zum Abschluss des Rundgangs im Erdgeschoss kann der Besucher Atmosphäre atmen im Ambiente des Cafés Feichtmayr, das bis in die 1970er Jahre als "erstes Haus am Platze" betrieben wurde.
Für Waldmünchen war vom 16. bis Ende des 19. Jahrhunderts die Glasproduktion und -veredelung von großer Bedeutung. Anhand mehrerer Fertigungsstufen wird die Produktion eines geschliffenen Kelchglases von den Rohstoffen bis zum Endprodukt dargestellt. Eine Vitrine zeigt kostbare historische Gläser aus der Produktion der bekannten Firma Nachtmann, die 1819 in Waldmünchen begründet wurde. Im Reliefmodell der Umgebung Waldmünchens sind die Standorte der ehemaligen Glasbetriebe eingetragen. Beeindruckend der Ausschnitt aus einer Glasschleiferei unter Verwendung von Originalteilen. Vor allem im Ulrichsgrüner Tal gab es im 19. Jahrhundert mehrere Glasschleifen und –polierwerke, welche die geblasenen, groben und unebenen Glasscheiben für Fenster und Spiegel verwendbar machten. Andere Hütten hatten sich auf die Herstellung von Glasperlen für Rosenkränze und Schmuck spezialisiert.
Zusätzlich kann der Besucher in der "Kristallhöhle" im Kellergeschoss des Museums die als Sammlerstücke begehrten Kristalltiere der Swarovski-Silver-Crystal-Serie bestaunen.
Der große Schwerpunkt "Grenze" nimmt die gesamte erste Etage des neuen Museums ein. Bis vor gut einem Jahrzehnt war die Grenze zu Tschechien unmißverständlich durch den "Eisernen Vorhang" gekennzeichnet, den streng bewachten Stacheldrahtzaun entlang des Grenzverlaufs. Die Grenzöffnung 1990 hat nach einem halben Jahrhundert der Trennung neue Möglichkeiten eröffnet. Den Bewohnern der Grenzregionen beider Länder hat sich jeweils die vierte, zuvor weitgehend unbekannte Himmelsrichtung erschlossen – für die einen der Westen, für die einen der Osten. Ein Jahrzehnt nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" ist es für die Bewohner der Grenzregion nichts Besonderes, das Nachbarland jenseits der Grenze zu besuchen. Die Inszenierung im Museum vermittelt die beklemmende Verunsicherung, mit der man zuvor am Grenzübergang stand: fremdsprachiger Ton, Warnschilder, Düsternis, Blinklicht. Nach Durchschreiten des Schlagbaums wird der Museumsbesucher an die Momente der Grenzöffnung erinnert.
Der folgende Bereich berichtet von denen, die die Grenze passierten oder passieren wollten. Nach der Szene mit einer historischen Postkutsche folgt im Museum die Ausstellung über Berühmtheiten, die als Reisende von oder nach Böhmen in Waldmünchen Station machten. So verbrachte der französische Schriftsteller und Politiker François-René de Chateaubriand 1833 drei Tage in Waldmünchen, weil ihm der Zöllner in Haselbach zunächst den Grenzübertritt verweigerte. Seinen Aufenthalt in Waldmünchen beschrieb Chateaubriand später ausführlich in seinen Memoiren.
Etwas verunsichert mag der
Museumsbesucher den
nächsten engen Raum betreten. "Mitten im Wald" liegt eine
Figur, zu Boden gestürzt, das Gesicht mit Ruß
geschwärzt – ein "Schwirzer". Diese Szenerie leitet
über zur großen Ausstellungseinheit über
den illegalen grenzüberschreitenden Handel, den Schmuggel, und
über die Widersacher der Schmuggler, Zoll und Grenzpolizei.
Hier wird unter anderem eine Auswahl an Gegenständen gezeigt,
die in den letzten Jahren an den Grenzübergängen
beschlagnahmt wurden und an der "Hör-Theke" kann man den
Geschichten ehemaliger Schmuggler lauschen.
Das gesamte 2. Stockwerk ist dem Schwerpunktthema "Trenck und Trenck-Festspiel" gewidmet. Im ersten Ausstellungsraum findet sich der Museumsbesucher inmitten einer Theaterszene aus dem Festspiel, umgeben von Figuren in historischen Kostümen. Auf dem Bildschirm laufen Festspiel-Filmausschnitte. In den Vitrinen werden alte Kostüme und Requisiten, Plakate, Programme und Textbücher aus der Geschichte des Festspiels präsentiert. Seit 1950 wird das Festspiel alljährlich aufgeführt, es trägt heute zur touristischen Attraktivität Waldmünchens bei. Man versteht sich als "Trenck-Stadt", wirbt mit Veranstaltungen und Souvenirs rund um Trenck für die Stadt.
Die folgenden Ausstellungsräume erläutern den historischen Hintergrund des Waldmünchener Festspiels. Der bayerische Kurfürst Karl Albrecht meldete nach dem Tod Kaiser Karls VI. (1740) Ansprüche auf die habsburgische Erbfolge an, die allerdings Maria Theresia, die Tochter des Kaisers als Königin von Ungarn und Böhmen sowie Erzherzogin von Österreich bereits angetreten hatte. Es kam zum Österreichischen Erbfolgekrieg (1741-1748). 1741 beauftragte Maria Theresia den Freiherrn Franz von der Trenck, ein Freicorps aufzustellen. Innerhalb von drei Wochen gelang es Trenck, aus seinen Herrschaftspanduren sowie begnadigten Grenzräubern ein Corps von rund 1000 Mann zu stellen. Die angeworbenen Leute stammten aus ungarischen und slawonischen Landstrichen. Trencks Panduren waren schnell als disziplinlos und grausam berüchtigt. Nach einem Feldzug durch Bayern standen sie im September 1742 vor den Toren Chams, das sie schließlich brandschatzten und plünderten. Die traurige Bilanz dieses Angriffs waren 42 Todesopfer und über 700 Gefangene. Fast alle Gebäude der Stadt waren niedergebrannt. Von hier zog der Pandurentross weiter nach Waldmünchen. Unter Androhung der Plünderung forderte Trenck fünfzig Speziesdukaten von den Stadtoberen und verlangte die sofortige Bezahlung. Die Stadt lieh das Geld von dem damaligen Bräuverwalter Andre Frank. Insgesamt eignete sich Trenck in Waldmünchen und Umgebung 1062 Gulden an und zog anderntags mit seiner Mannschaft weiter nach Böhmen. Weitaus größer war der Schaden, der den Waldmünchnern durch die Einquartierung der Truppen entstand.
Im Museum erinnern Bilder, Gemälde, Kupferstiche, historische Waffen und andere Exponate an die damaligen Geschehnisse. Beinahe erschreckend ist für den Besucher die überraschende Gegenüberstellung mit drei überlebensgroßen Pandurenfiguren, gestaltet nach Kupferstichen aus der Zeit.
Zum Abschluss des Museumsrundgangs bietet der Medienraum anhand eines bedienerfreundlichen Computers (Touchscreen) Gelegenheit, sich mit einzelnen Themen näher zu befassen, historische Bilder oder Filmsequenzen in Ruhe auf der Großleinwand zu betrachten.